|
Die Romanische Kunstepoche |
|
|
Die romanische Kunst, Kunstepoche, etwa 1000 - 1250; umfasste, von der karolingischen und ottonischen Kunst vorbereitet, zum erstenmal das ganze Abendland. Der Stilbegriff "romanisch" wurde um 1820 von dem frz. Kunstgelehrten de Gerville geprägt. Zentren der romanischen Kunst waren Frankreich, Italien (Lombardei) und Deutschland. Meist sind kirchliche Werke erhalten, deren Merkmale am klarsten in der Architektur hervortreten. Die Basilika wurde weiterentwickelt durch plastische Gliederung von runden (zylindrischen) und kubischen Formen; weitere Charakteristika: schwere Massen der Rundbogen, häufig doppelter Chor, beginnende Betonung der Fassade, Vieltürmigkeit; um 1100 wird die völlige Einwölbung des Innenraums erreicht. Zu den oberirdischen Räumen der Kirche kamen unterirdische (Krypta) hinzu. In Frankreich wurde neben dem Tonnengewölbe bereits auch die Kuppel verwendet. Die Einwölbung des gesamten Innenraums brachte dekorative Bereicherung durch eine zunehmende Fülle von Zierformen, die im Ornament der Spätromanik ihren Höhepunkt fand. Die Grundformen der Mauermassen wurden durch Sockel, Lisenen, Pilaster und Halbsäulen, durch Gesimse und Zwerggalerien gegliedert und aufgelockert. Im Inneren der Kirchen erreichten Stützenwechsel der Arkaden, Emporen und Triforiengalerien eine rhythmische Aufteilung. Weltliche Zeugen der romanischen Kunst sind die Reste der Staufer-Pfalzen. Während in der romanischen Architektur eine Verbindung zur römischen spürbar ist, ist die Plastik ohne
|  Krypta der Stiftskirche in Fischbeck Anlehnung an die Antike. Neben selteneren großplastischen Freifiguren überwiegen die Reliefplastiken. In Verbindung mit Gebäuden entstanden Großplastiken mit streng gebundenen Gebärden und geometrischer Linienrhythmik. Neben Steinfiguren muss es weit mehr Holzplastiken gegeben haben als erhalten sind. Im Kunsthandwerk schufen Goldschmiede und Bronzegießer künstlerisch hochentwickelte Geräte, Kirchentüren und Grabplatten. In der Malerei sind hauptsächlich Wand- und Buchmalereien erhalten. Tafelbilder sind sehr selten. Eine Raumillusion fehlt völlig; die Darstellungen blieben der Fläche verhaftet.
[ aus DER KNAUR Bd.12, 1993 ]
|
|